Dioramenbau

2007

„Machen Sie doch einfach, was sie wollen … aber mitmachen bitte!“
Unter diesem Titel schrieb das N-Bahn Magazin im Heft 3/2006 einen Modulbauwettbewerb aus und lobte für die Teilnehmer wertvolle Preise aus.
„Am besten fängt man ganz klein an und macht so gut wie keine einschränkenden Vorgaben.“ schrieb das NBM in seiner Wettbewerbsausschreibung. „Unter diesem Aspekt müsste ein Wettbewerb eigentlich auf die Beine zu stellen sein. Meinen wir. Aber da ja doch irgendeine Grundlage vorhanden sein sollte, haben wir eine ausgewählt, von der wir meinen, dass sie den Anforderungen platzbeschränkter und unter Zeitnot leidender N-Bahner gerecht werden müsste: das N-Tram Modul. Dieser kleine pfiffige Kasten mit den Abmessungen von nur 38 x 15 x 6 cm (siehe NBM 1/06 und 2/06) ist der ideale Start für ein Modul, das überall Platz hat.“

Teilnahmeschluss war der 28.02.2007. In Heft 4/2007 wurde die durch eine Jury ausgewählten 10 besten Module zur Abstimmung an die NBM Leserschaft gestellt und das Abstimmungsergebnis in Heft 5/2007 bekannt gegeben.

Seitens der N-Bahn Freunde München beteiligte sich auch unser Mitglied Walter Rauffer an dem Modulbauwettbewerb. Allerdings hatte er als Kasten nicht die relativ teuren N-Tram Module verwendet, sondern einen eigenen Modulkasten mit denselben Abmaßen. Dadurch hatte er aber die Ausschreibungsbedingungen formal nicht erfüllt und ist mit seinem Modul aus der Bewertung ausgeschieden. Wegen der ausgezeichneten Gestaltung seines Dioramas hat das N-Bahn Magazin diesem aber in Heft 6/2007 dennoch einen ausführlichen Bericht gewidmet.

Hier Bilder des Dioramas und die „Story“ dazu als Manuskriptnachdruck:

 

Das Modul

Entsprechend den Vorgaben einer Wettbewerbsausschreibung hat das Modul die Maße 150 x 380 x 60 mm. Da für dieses Einzelstück nicht beabsichtigt ist, es durch weitere Module zu ergänzen, wurden die Außenflächen für eine ansprechende Optik mit lackiertem Karton beklebt. Viele Elemente des dargestellten Themas wurden aus Angeboten der einschlägigen Industrie ausgewählt, farblich behandelt und durch einige Selbstbauteile ergänzt. Es ist kein elektrischer Anschluss vorhanden. Für die Fotos wurde ein gesonderter Hintergrund gewählt.

Das Thema: Der Löschzug kommt!

Die Gemeinde Oberdill im bayerischen Voralpenland liegt an der Strecke einer Nebenbahn mit geringem Verkehrsaufkommen im Personal- und Güterverkehr. Der kleine Bahnhof hat in seinem Vorfeld abzweigend von der Zufahrtsstrecke ein kurzes Stumpfgleis, das in einem relativ großzügigem Lagerplatz für den Güterumschlag endet. Vor diesem Stumpfgleis direkt zugänglich befindet sich auch ein Lagerhaus. Mit dem Ortskern ist der Lagerplatz mit einer Straße verbunden, die kurz nach dem Freigelände mit einer Brücke einen Bach überquert. Am Rande des Lagerplatzes stehen zwei Wohngebäude, an die eine Mauer eines herrschaftlichen Guts anschließt. Dazwischen führt ein Fußweg ebenfalls zur Dorfmitte.

Oberdill ist bekannt vor allem auch für seine Vereinsaktivitäten, allen voran die Blaskapelle der Freiwillige Feuerwehr, die im Jahresverlauf zu allen möglichen Anlässen immer wieder feuchtfröhliche Feste organisieren. Und Anlässe gibt es immer wieder neue. Und so hatte der Gemeinderat im letzten Jahr nach langen Debatten und hin und her endlich seine Zustimmung zur Anschaffung eines neuen universell einsetzbaren Feuerwehrautos gegeben.

Es versteht sich fast von selbst, dass die Lieferung dieses Fahrzeuges genug Grund für die Ausrichtung eines großen Empfangsfestes war. Schon lange vor der Zusage des Liefertermins wurden Ideen gesammelt und Vorbereitungen getroffen. Der Ort für die Festlichkeiten war schnell gefunden, nämlich die Stelle, wo das neue Feuerwehrauto erstmals heimischen Boden berührt: Der Lagerplatz am Bahnhof.

Die in der Gegend sehr aktive Brauerei wurde für die Bereitstellung eines Festzeltes neben dem erforderlichen Mobiliar gewonnen und auch der Metzger am Markt ließ sich dazu überreden, in einem dazu extra aufgestellten Standl für das leibliche Wohl der Festgäste zu sorgen. Auch klar, dass es sich die Blaskapelle nicht nehmen ließ, für den musikalischen Teil des Empfangs zu sorgen. Und der Sepp vom Christlhof hatte die Idee, das Feuerwehrauto mit seinem Traktor sozusagen an Land zu ziehen, damit die Zeremonie etwas länger dauert. Das ganze Dorf hatte dann den Termin im Kalender rot angestrichen, damit ja keiner die einmalige Veranstaltung versäumt, so auch die Polizeistation und das Technische Hilfswerk aus dem Nachbardorf.

Und dann war es soweit: Für Oberdill beginnt ein herrlicher Tag mit blauem Himmel und angenehmen Temperaturen, die Vorgärten haben sich farbenfroh herausgeputzt, die Straße wurde mit Fahnen und Transparenten geschmückt, das Festzelt sauber aufgestellt mit Häuserl für Bedürfnisse im Hintergrund, die vielen Biergartengarnituren ordentlich verteilt.

Langsam füllte sich der Platz mit Menschen aus dem Ort und der Umgebung, alle gespannt in freudiger Erwartung. Die Aufregung ist überall zu spüren und die freiwilligen Helfer nahmen langsam und eingeübt ihre Positionen ein. Und dann ein nicht zu überhörender Pfiff aus dem Bahnhofsbereich: Er kommt! Eine Dampflok der Baureihe 64 schiebt mit sanftem Gezische langsam den kurzen Zug in das Stumpfgleis. Bald darauf kommt die in Fachkreisen so genannte Übergabe zum Halten, bestehend aus einem gedeckten Transportwagen der Brauerei und einem Niederbordwagen mit dem neuen Feuerwehrauto.

Mit eindeutiger Zweideutigkeit: Der “Löschzug“ kommt !

Das ist der große Moment für den Dorffotografen. Vorher hat er schon einige Schnappschüsse von den Vorbereitungen eingefangen, doch jetzt heißt es, die idealen Standpunkte für den Landgang des richtig schön anzuschauenden roten Feuerwehrautos zu finden. Inzwischen ist bei den vielen Menschen auf dem Platz fröhlicher Jubel ausgebrochen, die Kinder schwenken kleine Fahnen und die Blaskapelle spielt in ihrer maximalen Lautstärke:. Bürgermeister und Pfarrer beobachten die Szene ebenso freudig, wie die Helfer vom Roten Kreuz und des Schützenvereins. Es ist eben schon etwas ganz Besonderes heute: Oberdill bekommt sein neues Feuerwehrauto.

Lange noch steht das neue Fahrzeug in der Straße und wird vom staunenden Publikum umlagert. Die Verkäufer im Standl und am Bierausschank haben alle Hände voll zu tun, die dicht gedrängt sitzenden Festgäste alle schnell und ausreichend zu versorgen, aber wie schon bekannt, feiern konnten sie schon immer in Oberdill und heute haben sie wieder allen Grund dazu, es zu beweisen und ein neues Feuerwehrauto haben sie jetzt auch.

Text: Walter Rauffer, Jürgen Lantermann
Bilder: Walter Rauffer (WR)

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